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Nachdem 50 unserer Models beim Formel 1 Rennen “Der große Preis von Deutschland” am Hockenheimring die Marke Santander medienwirksam in der Startaufstellung präsentiert hatten, standen wir im Anschluss dem Magazin Formel 1 für folgendes Interview zur Verfügung.
(Hier ist das ganze Interview nachzulesen)

Zwischen Champagner & Ohnmacht: Wie wird man Grid-Girl?

Wie wird man Grid-Girl, welche Voraussetzungen braucht es und was erwartet die Frauen im Formel-1-Zirkus? Über Champagnerduschen, Ohnmacht & Ausbeutung

(Motorsport-Total.com) – Sie bringen den weiblichen Charme in die Männerdomäne Motorsport: Grid-Girls. Die hübschen Damen sind aus der Startaufstellung eines Formel-1-Rennens nicht mehr wegzudenken. Während die Langstrecken-WM (WEC) schon seit 2015 auf Grid-Girls verzichtet, wünscht sich Mercedes-Pilot Lewis Hamilton sogar noch mehr weiblichen Esprit im Paddock. Doch wie wird man eigentlich Grid-Girl?

Bei Formel-1-Rennen in Deutschland, auf dem Hockenheimring und dem Nürburgring, sind Grid-Girls Angelegenheit der Veranstalter und Titelsponsoren. Diese engagieren Agenturen, die die Frauen zur Verfügung stellen und die gesamte Organisation übernehmen. Sonja Meyr-Scheibel betreibt seit 2012 ihre eigene Promotion-Agentur (eventas) und stellte für den Deutschland-Grand-Prix 2014 50 Grid-Girls auf dem Hockenheimring zur Verfügung. Im Gespräch mit ‘Motorsport-Total.com’ erklärt sie: “Eine spanische Bank hat uns 2014 den Zuschlag gegeben.”

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50 "Formula Unas" stehen auch 2017 in Spielberg in Tracht in der Startaufstellung

Vergleich mit MotoGP: PR-Ladies und Freundinnen am Grid

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In der MotoGP organisieren einzelne Sponsoren professionelle Models

Grid-Girls gehören für Fans sowie Fahrer zum Gesamtbild und bieten für Sponsoren die Möglichkeit, sich zu präsentieren, da die Frauen oftmals ein beliebtes Fotomotiv darstellen. Der Titelsponsor des Grand Prix von Deutschland schreibt den Auftrag jedes Jahr neu aus, daher herrscht unter den Agenturen ein großer Wettkampf. In der Königsklasse auf zwei Rädern, der MotoGP, läuft die Organisation ebenfalls über Agenturen, allerdings arbeiten dabei die Teams direkt mit Modelagenturen zusammen.

Eine Sprecherin des Sachsenrings erklärt: “Honda oder Yamaha arbeiten mit Modelagenturen zusammen, die die Grid-Girls zur Verfügung stellen. Manche lassen ihre Girls auch einfliegen, weil sie immer dieselben haben. Die Mädchen, die in der Startaufstellung die Schilder und Flaggen halten, werden vom Titelsponsor der Veranstaltung organisiert.” In den kleineren Klassen der Motorrad-Weltmeisterschaft werden auch die PR-Ladies oder die Freundinnen der Fahrer als “Umbrella-Girl” eingespannt. Auch über Miss-Wahlen werden Mädchen für Sponsoren von Teams ausgesucht. Dabei steht die Optik im Vordergrund.

Die erfahrene Managerin Meyr-Scheibel weiß, was in der Königsklasse gefragt ist: “Bei der Formel 1 werden nur die Hübschesten der Hübschen gesucht.” 6.000 Mädchen führt sie in ihrer Datenbank. Online und über Stellenanzeigen bekam die Deutsche insgesamt über 1.000 Bewerbungen. Allerdings erfüllten nicht alle die sehr strikten Vorgaben.

Strikte Kriterien: Groß, schmal und langes Haar

Meyr-Scheibel erklärt, dass ein Grid-Girl bestimmte Kriterien zu erfüllen hat. “Eine gewisse Körpergröße sollten sie haben, das gibt der Kunde vor. Mindestens liegt diese bei 1,70 Meter. Ideal ist außerdem Konfektionsgröße 34 beziehungsweise 36. Der Kunde bevorzugt in der Regel auch lange Haare. Zumindest erhöht es die Chancen, wenn das Mädchen schöne, lange Haare hat”, zählt sie auf. Aber auch gute Englischkenntnisse sind sehr wichtig, da die Auftraggeber meist internationale Konzerne sind. Und: “Dass man in hohen Schuhen laufen kann.”

Vor allem sollte man als Grid-Girl Professionalität an den Tag legen. In den zwölf Zentimeter hohen Stöckelschuhen, die von der spanischen Bank in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden, hätten schließlich viele Mädchen gelitten. “Da musste man dann die Zähne zusammenbeißen.” Trotzdem betont sie auch: “Grundsätzlich kann jede Bewerberin Grid-Girl werden, wenn sie entsprechend das Äußere hat.“

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Zwölf Zentimeter hohe Absätze: "Da muss man die Zähne zusammenbeißen"

"Einmal selbst dabei zu sein, war ein großer Traum"

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© LAT
"Einmal beim Ereignis dabei zu sein, war ein Traum",
erzählt eine Formula Una

Ein wichtiger Punkt für interessierte Mädchen sind auch sehr gute Fotos bei der Bewerbung. “Wenn jemand schon privat oder beruflich gemodelt hat, hat der ganz andere Chancen, weil er das Bildmaterial schon hat”, merkt Meyr-Scheibel an. Im Endeffekt stehen somit wieder sehr viele Models auf der Rennstrecke. “Ich bekam auch teilweise Passbilder oder Selfies als Bewerbungsfotos. Das geht nicht, wenn man sich für einen Formel-1-Job bewerben will – auch wenn man sehr hübsch ist.”

Die Steirerin Christina Wolfsberger hat es 2015 mit ihren Fotos in die engere Auswahl beim Voting der Top 50 Formula Unas geschafft. Sie durfte in der Startaufstellung des Grand Prix von Österreich stehen und dort das Schild von Daniil Kwjat halten. Die Medizinstudentin ist im Murtal aufgewachsen und interessierte sich daher bereits seit Kindertagen für den Motorsport. “Man sollte sich schon für die Formel 1 interessieren. Darum geht es ja schließlich das ganze Wochenende”, meint sie.

“Seit ich ein kleines Kind war, habe ich mich für die Formel 1 interessiert. Ich habe es geliebt, die Motorengeräusche zu hören, wenn das Rennen am damaligen A1-Ring stattfand. Schon damals habe ich so gut wie kein Rennen im Fernsehen verpasst. Einmal selbst bei so einem Ereignis dabei zu sein, war schon ein großer Traum”, schildert Wolfsberger.

Interesse am Motorsport für Grid-Girls "nebensächlich"

So unterschiedlich die Charaktere und das äußere Erscheinungsbild der Frauen, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe. Einerseits bietet die Kamerapräsenz eine reichweitenstarke Plattform, um sich zu präsentieren. Andererseits steht immer öfter auch die Leidenschaft und das Interesse zum Motorsport, im Besonderen zur Formel 1, im Vordergrund, wie das Beispiel der jungen Steirerin zeigt. Zusätzlich bietet der Zugang zum Fahrerlager auch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und die einmalige Chance als Sprungbrett für weitere Karrieremöglichkeiten zu nutzen.

Ähnlich wie Wolfsberger vertritt auch Alexandra Pahr (Bild), Formula Una 2016, die Ansicht, dass man als Grid-Girl durchaus Interesse am Motorsport haben sollte. “Man muss Freude und Interesse am Motorsport mitbringen, denn es geht ja nicht nur um die Startaufstellung – wir müssen ja auch Interviews geben. Nicht nur die Fahrer sind medial präsent, sondern auch wir Mädels”, so die Tirolerin. Für sie sind die Formula Unas “typische Mädels aus Österreich, die ihr Heimatland repräsentieren” – ohne Modelmaße.

Großer Preis von Österreich

Für Agenturchefin Meyr-Scheibel ist das Interesse am Motorsport “nebensächlich”, obwohl es durchaus Mädchen gibt, die wahre Fans der Fahrer und Boliden sind. Die Begeisterung für den Sport geht teilweise sogar so weit, dass Frauen angeboten haben, auf ihre Gage zu verzichten, um ihre Chancen auf den Job in der Formel 1 zu erhöhen.

“Einige, die unbedingt als Formel-1-Grid-Girl gebucht werden wollten, haben sich bei mir auch beworben und gemeint, dass sie gar kein Geld dafür wollen”, erzählt Meyr-Scheibel. “Bei der MotoGP auf dem Sachsenring hatte ich auch ein Mädchen, dass so ein großer Fan von Marc Marquez war, dass sie in Tränen ausgebrochen ist, als sie erfahren hat, dass sie neben ihrem Idol in der Startaufstellung stehen darf.”

Um überhaupt auf die Startaufstellung zu kommen und dort die Startnummer oder Flagge des jeweiligen Piloten halten zu dürfen, muss ein harter Wettbewerb überstanden werden. Aus rund tausend Bewerberinnen setzen sich auch in Österreich am Ende nur 50 durch. Viele Bewerberinnen bringen schon Modelerfahrung mit.

"Do's & Don'ts": Kein Handy, keine Zigarette, immer lächeln!

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© Red Bull
Zwei Formula Unas auf PR-Tour beim Saisonauftakt im australischen Melbourne

Die Grid-Girls werden nicht nur als hübsches Beiwerk der Fahrer, sondern vielmehr auch als Botschafterinnen eingesetzt. Zwei Formula Unas, darunter auch Pahr (Bild links), durften sogar zum Saisonauftakt nach Australien fliegen. Mit dieser Strategie möchte man sich deutlich von allen anderen Grands Prix abheben.

Um ein makelloses Image zu transportieren, müssen sich die Schönheiten allerdings auch an strenge Verhaltensregeln halten. “Umso größer die Rennserie, desto mehr Regeln gibt es auch”, weiß Meyr-Scheibel. “Die Formel 1 hat aus den Fehlern der Grid-Girls in der Vergangenheit gelernt. Die haben uns einen ganzen Katalog geschickt mit allen ‘Do’s and Don’ts’. Rauchen oder Handys in der Hand – das geht einfach nicht, vor allem weil in der Formel 1 auch wahnsinnig viele Paparazzi herumschwirren”, weiß die Agenturchefin. Wolfsberger ergänzt: “Es ist am Rennwochenende außerdem wirklich wichtig, dass man die Anweisungen befolgt, um den Ablauf nicht zu stören.”

“Wir haben uns am Freitag am Vormittag vor dem Rennen getroffen und haben dann unsere Unterkunft für das Rennwochenende bezogen. Am ersten Tag besuchten wir das Konzert in Spielberg. Der Samstag war dann schon stressiger, weil wir einige Pressetermine hatten und auch beim Qualifying dabei waren und am Abend dann die Parade probten”, zählt sie auf.

Stressiger Ablauf, wenig Gage und gesundheitliches Risiko

eventas press 4Der Rennsonntag begann sehr früh, “Wir wurden von Stylisten geschminkt. Dann kam der Moment, in dem wir auf die Strecke durften. Ein unbeschreiblicher Augenblick, wenn man merkt, dass das Formel-1-Auto immer näher an dich heranrollt und dann unmittelbar hinter dir stehen bleibt”, erinnert sich Wolfsberger mit Freude zurück und beschreibt diesen Tag als “ein wunderbares Erlebnis”

Für ihren Auftritt bekommen die Formula Unas eine kleine Aufwandsentschädigung. Sie dürfen ihr Dirndl behalten und werden vor allem mit neuen Erfahrungen beschenkt, erklärt man beim Projekt Spielberg. “Umso populärer das Rennen ist, umso unlukrativer ist der Job”, ergänzt Meyr-Scheibel. “Die Formel 1 ist mitunter am schlechtesten bezahlt. Das ist ein Job für Mädels, die die Leidenschaft dafür haben.” 

Für die teilweise anstrengenden Strapazen entlohnen diese Entschädigungen nicht. Negative Medienberichte zeigten die Kehrseite auf. Ist das Grid-Girl-Dasein also ein Knochenjob? “Es ist wirklich hart. Die Temperaturen, die Hitze auf dem Asphalt und die Schuhe, die drücken”, zählt die Agenturbetreiberin auf. Nicht selten wird deshalb ein Mädchen ohnmächtig in der Startaufstellung. “Sie trinken auch nichts, weil sie sonst wieder auf die Toilette laufen müssten. An dem Formel-1-Wochenende wurden drei Mädchen ohnmächtig”, bestätigt Meyr-Scheibel.

Großer Preis von Spanien

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Nur um des Geldes Willen würde sie keinem Mädchen raten, solch einen Job anzunehmen. Trotz all der Anstrengungen hält sie aber auch fest: “Ich habe nach dem Grand-Prix-Wochenende auch Dankesschreiben bekommen und viele meinten, dass sie es wieder machen würden, weil ihnen das Wochenende unvergesslich in Erinnerung bleiben wird. Es war wirklich ein tolles Ereignis für das gesamte Team.”

Grid Boys? Nein, danke! - Startaufstellung bleibt Frauendomäne

Es ist auch kein Zufall, dass bisher fast nur Frauen in Tracht oder engen Röckchen in den Startaufstellungen in Österreich, Deutschland und aller Welt zu sehen waren, denn männliche Bewerber sind nicht vorgesehen. Bisher gab es laut Auskunft vom Projekt Spielberg auch noch keinen einzigen Interessenten. Somit wird sich die Startaufstellung von Monaco 2015 nicht wiederholen, wo erstmals nur männliche “Grid-Boys” zum Einsatz kamen.

Mission Grid-Boys: Das kam in Monaco 2015 bei den Fahrern nicht gut an

Vor allem Sebastian Vettel gefiel das gar nicht. “Wenn ich das Auto abstelle und mir den Hintern von George und Dave ansehen muss, dann bin ich damit nicht glücklich”, so der Ferrari-Pilot. Die Startaufstellung wird daher auch in der Saison 2017 eine Frauendomäne bleiben, denn knapp bekleidete Damen neben den Boliden und in der Boxengasse gehören für viele Fans noch immer dazu wie qualmende Reifen und aufheulende Motoren.

Meyr-Scheibel weiß: “Die Faszination, die der Job – insbesondere in der Formel 1 – auf viele junge Damen ausübt, wird auch weiterhin ungebrochen sein, denn die Vorstellung dann mit dem Grand-Prix-Gewinner auf dem Podium zu stehen, ist schon sehr verlockend. Die Bilder von der Champagnerdusche gehen um die Welt.”

Weiterführende Infos:

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